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Wer bereit ist, die "Touristentrampelpfade" zu verlassen und dabei die Augen offen hält, entdeckt, dass Teneriffa eine Art Mini-Kontinent ist. Die Insel hat nicht nur zwei Klimazonen sondern auch größere Höhenunterschiede als Deutschland in einer einmaligen und abwechslungsreichen Landschaft und Vegetation.
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Sie
ist die einzige der Kanarischen Inseln, die mehr als 2000 Quadratkilometer misst und Hauptinsel der spanischen Provinz Tenerife. Seit 600 Jahren sind die Kanarischen Inseln fast ohne Ausnahme spanisches Hoheitsgebiet. Geografisch und klimatisch gehört der Kanarische Archipel allerdings zu Afrika: Die Küste Marokkos ist nur etwa 150 km von der östlichsten Insel (Lanzarote) entfernt. Den Sahara-Einfluss spürt man deshalb auch auf
Teneriffa, besonders wenn der gefürchtete Scirocco, ein heißer Wüstenwind, der feinen Sahara-Sand enthält, die Inselgruppe heimsucht. Dieser Sand hat übrigens auch dafür gesorgt, dass die älteren und dem Kontinent am nächsten gelegenen großen Inseln, Fuerteventura und Gran Canaria, über schöne und ausgedehnte Sandstrände verfügen.
Teneriffa liegt etwas weiter vom Kontinent entfernt, so dass die Strandbildung hier weniger stark ist. Künstlich angelegte große Strände gibt es aber auch hier, insbesondere in Playa de las Americas, im Westen der Insel und nördlich von Santa Cruz, den Strand Las
Teresitas.
Das Besondere an der Insel Teneriffa ist unter anderem, dass sie zwei Klimazonen hat: den relativ feuchten Norden, der von Passatwinden angeblasen wird, die sich an den hohen Hängen des Vulkanmassivs Pico de Teide ausregnen können. Der Norden ist daher immer grün mit einer abwechslungsreichen Vegetation. Im Windschatten des Teide, also im Süden, regnet es nur selten, was viele sonnenhungrige Touristen zu schätzen wissen. Im übrigen ist das Klima sehr ausgeglichen und angenehm. Die Lage im Atlantik sorgt für ständigen Luftaustausch, so dass es nur selten heiß wird, außer wenn der Scirocco sich breit macht. Temperaturen weit über 30 °C sind daher eher die Ausnahme und unter 20 °C liegen sie nur in den Wintermonaten Dezember bis Februar.
Die Insel hat somit für fast jeden etwas zu bieten. Wer nur am Strand und in der Sonne faulenzen will, kommt in dem sonnigen Süden bestens auf seine Kosten. Wer vor dem deutschen Winter flüchten mag, findet auf
Teneriffa ein passendes Refugium. Und wer faszinierende Landschaften sucht, kann bei einer Inselrundfahrt die schönen Pinienwälder, die Drachenbäume und den wunderbaren Ausblick vom Pico de Teide über die Insel genießen. An schönen Tagen kann man vom Gipfel des Teide sogar die Inseln Gran Canaria, Gomera und Palma sehen. Man erreicht den Gipfel zunächst über eine Seilbahn, die auf ein Zwischenplateau führt, von dem man einen Aufstieg per Fuß unternehmen kann. Der (noch aktive) Vulkan liegt übrigens mitten in einem der Nationalparks der Kanarischen Inseln. Die Behörden haben das Besteigen des Berges daher inzwischen reglementiert.
Die alte Hauptstadt San Christobal de la Laguna hat eine eigene Universität und ein eigenes Flair, das man aber nur durch einen Abstecher jenseits der großen Touristenrouten entdecken kann.
Wer nach Teneriffa fliegt, kommt normalerweise am neuen Flughafen Reina Sofia (Königin Sofia) im Süden an. Der ältere Flughafen Los Rodeos, im Norden in der Nähe der Hauptstadt Santa Cruz, ist zwar noch in Betrieb, wird jedoch von den Chartermaschinen kaum noch angeflogen. Am 27. März 1977 ereignete sich hier übrigens im Nebel die folgenschwerste Katastrophe der zivilen Luftfahrt, als eine Boeing 747 der niederländischen KLM eine auf der Startbahn fahrende Boeing 747 der Pan American World Airways beim ungenehmigten Abheben aufschlitzte.
Die Katastrophe war einer der Gründe für den Bau des neuen Flughafens im praktisch immer nebelfreien Süden.
Der neue Flughafen liegt an einer Autobahn, die sowohl weiter in die südlichen
Touristenzentren führt als auch über Santa Cruz nach Puerto de la Cruz, dem historischen Touristenzentrum im Norden der Insel.
Viele Spanier, aber auch Nordeuropäer haben sich hier einen Besitz zugelegt, auf dem sie den Winter oder gar ihren Lebensabend verbringen. Dass die Sonne hier nicht immer scheint, und es auch mal regnet, ist für Dauerurlauber ohnehin weniger belastend als das trockene Klima im Süden. In Puerto de la Cruz hat man direkt an der Atlantikküste vor einigen Jahren eine Badelandschaft angelegt, die zu den großen Attraktionen dieses Touristenzentrums zählt. Eine weitere Attraktion ist der Loro-Park, der viele Papageien und andere Vögel beherbergt. Auch das Cafe Columbus, direkt am Wasser, ist berühmt. An den Steilhängen der Stadt befinden sich einige Hotels und Restaurants, die einen schönen Blick auf den Ort und/oder über den Atlantik zu bieten haben. Wer von hier Richtung Teide und Nationalpark fährt, gelangt durch das Orotava-Tal dorthin. Allein schon der historische Ort La Orotava ist eine Sehenswürdigkeit, während das Orotava-Tal selber durch seine Vegetation fasziniert.
Wer die Landschaft und die Vegetation kennenlernen will, sollte es u.a. nicht versäumen, entweder eine organisierte Tour oder einen eigenen Ausflug nach Masca zu unternehmen. Das idyllische Dorf ist an einen Südhang im Westen der Insel angeschmiegt und übt einen besonderen Reiz aus, dem nur wenige Besucher sich entziehen können und den man nur durch einen nicht zu kurz geratenen Aufenthalt auf sich wirken lassen kann. Auch der Drachenbaum in Icod de los Viños ist sehenswert. Es gibt zwar mehrere Drachenbäume auf der Insel, aber diese ist die älteste (vermutlich mehr als 1000 Jahre) und größte von allen. Diese Drachenbäume sind übrigens, botanisch gesehen, riesige Blumen und sie kommen nur an ganz weniger Orten der Erde vor.
Der Osten der Insel ist ebenfalls eine Reise wert. Man fährt, von San Christobal de la Laguna kommend, über den Ort Las Mercedes durch den Mercedeswald zum Pico del Inglés. Von hier aus kann man bei gutem Wetter Gran Canaria sehen. Bei der Rückfahrt lohnen sich Abstecher nach Tejina, Bajamar und Punta del Hidalgo an der Nordküste. In den kleinen Orten in dieser Gegend leben nur wenige Menschen, die von dem Wenigen leben, was der Boden hergibt. Sie sind dennoch zufrieden, werden allerdings immer weniger an der Zahl, denn viele junge Menschen ziehen weg in die Touristenzentren, die ihnen materiell viel mehr zu bieten haben. Einige Bauruinen in dieser Gegend zeigen übrigens, dass es nicht überall gelungen ist, Touristenzentren anzusiedeln. Der Besuch solcher Orte wirkt auf so manchen Besucher fast schon gespenstisch.
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Fährt man von hier in Richtung Nationalpark, durchquert man den Esperanzawald, einen herrlichen Pinienwald. Der Weg führt den Besucher dabei in immer größere Höhen, bis er am 2378 m hohen Berggipfel Izaña vorbeikommt, auf dem sich eine Sternwarte befindet. Danach führt die Straße, fast geradeaus, steil herunter und mündet in den Nationalpark Las Cañadas, an dessen Rand sich der Pico de Teide erhebt. Sehenswert ist an diesem Park vor allem der teilweise noch junge Lavasee, der im Lauf der vergangenen 300.000 Jahren durch teils gewaltige Eruptionen entstand. Er wird von dem gigantischen Kraterrand Caldera de las Cañadas umgeben. Der letzte Ausbruch des Teide fand noch im letzten Jahrhundert statt. Er richtete aber keine Schäden an, im Gegensatz zur großen Eruption von 1706 und war vom Ausmaß her nicht vergleichbar mit den Eruptionen, die für die Lavaseen verantwortlich sind und die Vulkanlandschaft letztlich geprägt haben. Der war übrigens nach Ansicht von Wissenschaftlern früher weit über 5000 m hoch, bis der Berg infolge einer Eruption oder vulkanischen Aktivität im Berginneren um mehr als 2000 m in den jetzigen Lavasee sackte. Der jetzige Gipfel erhob sich erst danach aus dem Lavasee.
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Strandurlaub mit viel Trubel,
Bars, Restaurants und Freizeitmöglichkeiten macht man am besten in Playa
de las Americas. Hier befinden sich mit Abstand die meisten Hotels,
darunter das Luxushotel Gran Hotel Bahia de Duque oder das Jardin Tropical
in einem sehr eigenwilligen Baustil, sowie viele Bungalow-Anlagen. Von
nahegelegen Hafen in Los Christianos aus kann man auch einen Ausflug nach
La Gomera machen. Sie ist eine ausgesprochene Wander-Insel mit herrlicher
Vegetation, auf der man große Strände freilich vergeblich sucht. Sie ist
aber auf jeden Fall einen Tagesausflug wert, und so mancher
Tagesausflügler hat sich in die Insel verliebt und sie später für einen
längeren Aufenthalt erneut besucht.
Zwischen dem Flughafen und Playa de las Americas sind mittlerweile weitere
Touristenzentren entstanden. Das älteste ist die
Ten-Bel(Tenerife-Belgica)-Anlage, die bereits in den sechziger Jahren von
belgischen Unternehmen gegründet wurde. Das Touristenzentrum wuchs ständig
weiter, auch durch das Engagement anderer Investoren, und stellt
inzwischen eine eigenständige Siedlung in der Nähe des Fischerdorfs Las
Galletas (ausgesprochen Las Gajettas) dar.
Erwähnenswert ist noch Candelária.
Hier steht die Basilica de la Virgen (Basilika der Jungfrau), in der sich
ein Repiklat der Schwarzen Madonna, der Schutzheiligen Teneriffas
befindet. Das Original ging bei einer Flutwelle im Jahr 1826 verloren. Die
Reliquie wird am 14. und 15. August von Pilgern angebetet.
Autos kann man übrigens für
relativ wenig Geld mieten. Man sollte allerdings zu einem seriösen
Vermieter gehen und auf jeden Fall einen vollen Versicherungsschutz ohne
Selbstbeteiligung abschließen. Auch das Fahren selbst kostet nicht
allzuviel, weil die Strecken relativ kurz sind und das Benzin kaum mit
Steuern belegt ist. Die Kanarische Inseln gehören nämlich zwar politisch
zu dem EU-Mitglied Spanien, sind aber seit 1852 eine Freihandelszone, in
der weder auf Benzin noch Spirituosen, Tabak und dergleichen hohe
Sonderabgaben erhoben werden. Die Freimengen für heimkehrende Touristen
sind dafür aber nicht so großzügig wie für Reisende aus EU-Ländern.
Das
Essen in Restaurants ist auf der Insel ebenfalls recht
preiswert. Die Preise in den Supermärkten (insbesondere in den
Touristenzentren) sind allerdings meistens höher als in Deutschland, bis
auf die bereits erwähnten Tabakwaren und Spirituosen. Auch Wein, Bier und
Sekt sind vielfach teurer als in Deutschland, was unter anderem daran
liegt, dass die meisten Waren vom Festland importiert werden müssen. Auch
das Trinkwasser muss größtenteils eingeführt werden. Das Leitungswasser
ist, durch chemische Zugaben wie Chlor, ungenießbar und kann bei Einnahme
größerer Mengen sogar gesundheitsschädlich sein. Es ist daher für die
Zubereitung von Tee und Kaffee ungeeignet. Für das Kochen von Kartoffeln,
Reis oder Nudeln lässt es sich zur Not hernehmen. Für Körperpflege und
auch zum Zähneputzen, kann es allerdings ohne Bedenken verwendet werden.
Die Sonne steht, besonders im
Sommerhalbjahr sehr hoch, zur Sonnenwende um den 21. Juni sogar fast
senkrecht über Teneriffa (die Insel liegt nur etwa 500 km nördlich des
Wendekreises). Weil außerdem die UV-Strahlung durch die sehr saubere
Atlantikluft kaum absorbiert wird, ist die Gefahr eines Sonnenbrandes
daher recht groß. Von längeren Sonnenbädern, insbesondere in der Zeit von
11 bis 16 Uhr ist abzuraten. Auf jeden Fall ist es wichtig, empfindliche
Hautpartien (Gesicht, Schultern, Rücken etc.) regelmäßig mit
Sonnenschutzmittel (mindestens Schutzfaktor 6) einzucremen. Auch eine
Sonnenbrille mit guter UV-Absorption sollte im Reisegepäck nicht fehlen.
Die Kanarischen Inseln liegen in einer anderen
Zeitzone
als Deutschland: Die Uhren gehen eine Stunde nach. Die
Umstellung auf Sommer- und Winterzeit erfolgt aber synchron mit
Deutschland. Die Landessprache ist Spanisch, in den meisten
Touristenzentren sprechen Hotel- und Gaststättenpersonal, Autovermieter
usw. aber meistens gut Deutsch, und wer außerdem Englisch kann, hat in der
Regel keine Verständigungsprobleme.
Geheimtipps gibt es auch; sie würden aber den Rahmen
dieser Kurzbeschreibung sprengen, sind außerdem geschmacksabhängig - und
würden bei Veröffentlichung auch keine Geheimtipps mehr sein! ;-)
© 2001
Willem Ongena c/o
GerlPrint IRP
Redakteur (München) |
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